Interview mit Walter Schilt

Mit Freude haben wir vom Vorstand des Gewerbe-vereins zur Kenntnis genommen, dass Du dich als Kandidat für die Grossratswahlen vom 25. März 2018 zur Verfügung stellst. Uns freut dies besonders, weil wir überzeugt sind, dass Du die Interessen des Gewerbes und der Gemeinde Vechigen bestens vertreten wirst. Mit deiner Erfahrung als Gemeindepräsident erfüllst du die Voraussetzungen, um als Grossrat Spuren zu hinterlassen. In deiner Rolle als Führungspersönlich-keit, Vermittler, Konfliktbewältiger und vor allem als Mensch hast du bereits bewiesen, wozu du fähig bist. Mit ein paar Fragen, möchten wir Dich der Vechiger Bevölkerung etwas näherbringen.

Was hat Dich dazu bewogen, für den Grossrat zu kandidieren?
Der Rücktritt des langjährigen Grossrats Hansruedi Schweizer aus Utzigen, Gemeinde Vechigen, hat mich zur Kandidatur bewogen. Es wäre aus meiner Sicht wichtig, aus dieser Region – dem Worblental – einen echten Gemeindevertreter im Grossen Rat stellen zu können. Ich möchte meine grosse, langjährige politische Erfahrung im Grossen Rat einbringen und bin motiviert, auch auf Kantonsebene anzupacken und mitzuwirken. Ich will helfen, mehrheitsfähige, breit abgestützte Entscheide durchzubringen. Es bringt nichts, Entscheide zu erarbeiten, die beim Volk zum Vorneherein zum Scheitern verurteilt sind.

Was bringst Du für Voraussetzungen mit als möglicher neuer Grossrat?
Mein Vorteil ist sicher, dass ich die politischen Prozesse und Abläufe – das Mecano – kenne. Ich bin vielseitig interessiert, sowohl in der Politik wie aber auch im Weltgeschehen. In Wirtschafts- und Finanzfragen bringe ich hohe Sachkenntnisse mit. Durch meine langjährige Tätigkeit als halbamtlicher Gemeinde-präsident verfüge ich über ein grosses Netzwerk und Beziehungsnetz. Eine wichtige Voraussetzung für ein solches Amt ist die Führungserfahrung. Als ehemaliger Feuerwehrkommandant und Gesamteinsatzleiter bei grossen Ereignissen wie Hochwasser, Sturm Lothar aber auch Bauernhausbränden etc. konnte ich viel an Führungserfahrung sammeln. Eine gute Koordination und konstruktive Zusammenarbeit mit Militär, Zivilschutz, Polizei und auch den Medien waren unabdingbar. Es braucht die Fähigkeit, situativ und sofort Entscheide treffen zu können. Auch bei der kürzlich in Vechigen entstandenen Problematik mit den Fahrenden waren konstruktive und klare Verhandlungen wichtig. Lösungen müssen gesucht und umgesetzt werden. Auf Menschen zugehen ist das A und O. Für mich steht immer der Mensch im Vordergrund.

Du bist Grossratskandidat SVP Bern Mittelland- Nord – mit welchen Zielen?
Viele Entscheide im Grossen Rat des Kantons Bern werden auf Kosten der Gemeinden gefällt. Dies hat mit Sparen nur sehr wenig zu tun. Den Gürtel enger schnallen ist notwendig – aber nicht auf Kosten von anderen. Die Steuern müssen verträglich bleiben. Die Aufgaben dürfen nicht von einer politischen Ebene zur andern geschoben werden. Insbesondere sollten wir bereit sein, in gewissen Bereichen auch Komfort-einbussen in Kauf zu nehmen, da wir des Öfteren über unsere Verhältnisse leben. Das Gewerbe muss konkurrenzfähig bleiben und mit allen Mitteln gestärkt werden insbesondere auch gegenüber anderen Kantonen. Das öffentliche Beschaffungswesen sollte so ausgestaltet sein, dass einheimisches Gewerbe besser berücksichtigt werden kann, jedoch nicht zu verwechseln mit «Heimatschutz». Es sind einheimische Betriebe, welche Steuern in der Gemeinde und im Kanton bezahlen. Lange Anfahrtswege sind aus ökologischer Sicht nicht ideal und, für eine zeitnahe Garantie- oder Service-Arbeit, ist die Verlässlichkeit eine nervensparende Angelegenheit. Zudem wäre es wünschenswert, wenn allgemein die Administrations-prozesse vereinfacht werden könnten – jedoch nicht nur beim Gewerbe. In Ratsgeschäften sind für mich gute Dossierkenntnisse unabdingbar. In all dem will ich aber meine Bodenhaftung nie verlieren. Die Nähe zum Volk, spüren was dieses will, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.


Das Gewerbe muss konkurrenzfähig bleiben und mit allen Mitteln gestärkt werden insbesondere auch gegenüber anderen Kantonen.


Für welche Themen willst Du dich im Besonderen einsetzen? Mit welchen Argumenten überzeugst Du deine Wähler?

Ein persönliches Anliegen ist mir ein gutes, verträgliches, konkurrenzfähiges und finanzierbares Bildungssystem. Bildung ist unser Kapital. Die Jugend ist unsere Zukunft. Das duale Bildungssystem muss aufrechterhalten, gefördert und entsprechend kommuniziert werden. Hier spielen auch die Gewerbebetriebe eine zentrale Rolle. Die Berufs-beratungen müssen vermehrt auf die hohe Qualität einer Berufslehre hinweisen und auch auf die Möglichkeit, nach einer Berufslehre immer noch die Fachhochschule besuchen zu können. Als Gemeindepräsident führe ich nebst dem Ressort Präsidiales auch das Ressort Planung. Für eine positive Umsetzung der kantonalen Raumplanung stehe ich ein. Insbesondere die Vorgabe «Entwicklung nach innen» muss mit grosser Vorsicht, im Lichte von haus-hälterischem Umgang mit Kulturland, umgesetzt werden. Meine Devise soll immer im Sinne von «mit Augenmass» sein! Meine langjährige Erfahrung in der Politik, in der Führung aber auch in der Zusammen-arbeit mit den verschiedensten Gruppen und Menschen erachte ich als gute Argumente für eine Wahl in den Grossen Rat und immer nach meinem Grundsatz «sich säuber nid ds wichtig nä»!

Du führst ein Zimmereigeschäft, bist Landwirt und halbamtlicher Gemeindepräsident. Wie willst Du dies alles mit dem Amt als Grossrat unter einen Hut bringen?
Gut strukturierte Abläufe im Alltag, in Zimmerei und Landwirtschaft, nicht zu viel wollen, die Mithilfe meiner Familie und schlicht und einfach «gärn bügle». Diese Gründe sind sicher hauptverantwortlich für mein schon bis dahin zeitlich grosses Engagement für die Öffentlichkeit. Es braucht jedoch immer wieder grosse Flexibilität, hohe Belastbarkeit und natürlich gute Gesundheit, worüber ich sehr dankbar bin. Und das Allerwichtigste: Wenn die Arbeit Spass macht, die Motivation gross ist, einem die verschiedenen Tätigkeiten Freude bereiten, ist dies nicht eine Belastung – dann geht auch das Aufstehen viel einfacher und, «eifach mau Gas gä»! Natürlich darf ich auch auf die Unterstützung von Familie wie auch auf die Mithilfe von Freunden und Nachbarn zählen, was ich sehr zu schätzen weiss.

 

Wo findest Du Zeit für deinen Ausgleich?
Ich verbringe sehr gerne Zeit in der Natur. Eine Wanderung in unserer schönen Gemeinde oder auf den Napf – bei jedem Wetter – ist für mich Erholung pur. Hier kann ich abschalten. Ausgleich finde ich ebenso bei der Familie. Zeit mit den Grosskindern zu verbringen, ist eine grosse Bereicherung. Aber auch die Geselligkeit, das Zusammensein mit Freunden, wenn es passt «eis singe», darf nicht zu kurz kommen. Und wenn es dann die Zeit erlaubt, gibt es auch ab und zu einen Ausflug mit dem Motorrad, in entlegenste Gebiete unserer schönen Schweiz. Land und Leute allgemein interessieren mich. Besuche bei Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Sinne von Wertschätzung und Anteilnahme sind für mich immer eine Bereicherung.

Gehen sämtliche ca. 4000 Wahlberechtigte von Vechigen wählen, haben es diese mit grosser Wahrscheinlichkeit alleine in der Hand, dich in den Grossen Rat zu portieren.
Bei den letzten Grossratswahlen lag die Wahlbe-teiligung leider nur noch bei gut 30 %. Ich müsste somit also 100 % der Vechiger-Wahlberechtigten an die Urne bringen… und alle müssten meinen Namen doppelt aufführen (kumulieren). Das wäre natürlich schön – aber doch etwas gar theoretisch und, gerade in der Funktion als Gemeindepräsident werden Mitbürgerinnen und Mitbürger ab und zu enttäuscht, da insbesondere persönliche Wünsche nicht immer erfüllt werden können. Es würde mich natürlich freuen, wenn ich die eine oder andere parteiübergreifende Stimme holen könnte. Insbesondere in der Gemeindepolitik sind oft überparteiliche Entscheide nötig. Persönlich ist mir die ganzheitliche Betrachtungsweise der einzelnen Geschäfte, unabhängig von Parteicouleur, sehr wichtig. Der Blick auf das Ganze muss vorhanden sein.


Ein persönliches Anliegen ist mir ein gutes, verträgliches, konkurrenz-fähiges und finanzierbares Bildungssystem. Bildung ist unser Kapital! Die Jugend ist unsere Zukunft!


Inwiefern kannst Du dich für das Vechiger Gewerbe und die Gemeinde im Grossen Rat engagieren?
Wie ich bereits erwähnt habe, muss das einheimische Gewerbe immer wieder gestärkt und mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützt werden. Allzu oft werden Aufträge nur aufgrund des Preises vergeben, ohne die Vorzüge des lokalen Gewerbes gebührend zu berücksichtigen. Hier muss der Hebel angesetzt werden. Natürlich braucht es eine gesunde Wettbewerbsfähigkeit. Bei den Gemeinden muss noch vermehrt die Zusammenarbeit gesucht werden, wodurch idealerweise personelle und finanzielle Ressourcen eingespart werden könnten. Ich rede hier nicht explizit von Fusionen. Unser Denken ist aber oft sehr kleinräumig. Es muss nicht selber erfunden werden, was andere bereits erfunden haben. Wir müssen uns in eine Richtung, mehr miteinander bewegen.

Wie sieht Deine Zukunft als Gemeindepräsident von Vechigen aus?
Ich führe mein Amt als Gemeindepräsident sehr gerne, mit Freude, Motivation und einem grossen Zeitaufwand aus. Verwaltung und Behörden sind aktuell trotz manchmal «heftigen» Entscheidungsfindungsprozessen ein gut funktionierendes und verantwortungsvolles Team. Es wird von verschiedensten Akteuren sehr viel Arbeit geleistet. Es ist eine Frage der Organisation und insbesondere der Delegation. Durch die beiden Ämter Gemeindepräsident und Mitglied des Grossen Rates können auch Synergien genutzt werden. In Vechigen gilt auch beim Gemeindepräsidium die Amtszeit-beschränkung von drei vollen Legislaturen. Diese sind bei mir Ende 2020 erreicht. Ich befinde mich also in der letzten Amtsperiode. Diese knapp drei Jahre möchte ich noch sehr gerne ausführen – unabhängig einer Wahl in den Grossen Rat.

Wir wünschen dir, lieber Walter, viel Erfolg bei den Wahlen und hoffen auf möglichst viele Stimmen aus der Vechiger Bevölkerung, insbesondere den Gewerblerinnen und Gewerblern. Besten Dank für das Gespräch.