Wald und Klimawandel: Nur nachhaltige Nutzung hilft!

Die Nutzung von einheimischem Holz als Baustoff und als Energieträger ist wichtig, und die Waldwirtschaft leistet damit einen wesentlichen Beitrag gegen den Klimawandel. Diese Botschaft wurde an der traditionellen Holzenergietagung der Initiative Holz und BEO HOLZ klar betont. Über 100 Teilnehmende trafen sich am 24. Januar 2020 in Utzigen und hörten sich Referate zum Potenzial des Waldes an.


Holz gegen Klimawandel
«Es macht absolut Sinn, unsere einheimischen Wälder zu nutzen», erklärte Prof. Dr. Reto Knutti, Klimatologe der ETH Zürich, in seinem Referat. Mit der Energiestrategie 2050 des Bundes muss der CO2-Ausstoss in der Schweiz bis in dreissig Jahren gleich null sein. Der Wald ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, hilft er doch, den CO2-Ausstoss zu senken. Nutzt man dieses Holz dann, um Heizöl zu ersetzen oder Häuser zu bauen, erreicht man zwei positive Effekte: der Wald wird durch den Holzschlag verjüngt, bleibt vital und kann weiterhin grosse Mengen an CO2 aufnehmen. Gleichzeitig werden mit dem einheimischen Holz andere Energieträger und Baustoffe substituiert, deren Nutzung, Herstellung und Transport grosse CO2-Emmissionen verursachen. Energetische und stoffliche Nutzung ergänzen sich ideal, da bei jedem Holzschlag beide Sortimente anfallen.

Wald als CO2-Senke
Dieselben Argumente kamen von Urs Luginbühl vom Verein «Senke Schweizer Holz», welcher in seinem Referat sein konkretes Projekt vorstellt, wie mit der Waldnutzung der CO2-Ausstoss reduziert werden kann. Er legte den Zuhörern eine gesamtheitliche Waldnutzung nahe und zeigte auf, wie wichtig die Waldwirtschaft ist: nur ein gesunder, junger Wald kann wirklich CO2 aufnehmen und speichern. Es braucht also die aktive Nutzung des Rohstoffs, damit neue Bäume nachwach-sen können. Ein verbauter Kubikmeter Schweizer Holz kann 1 Tonne CO2 reduzieren, weil er andere Baustoffe substituiert. Ein energetisch genutzter Kubikmeter reduziert die CO2-Menge um 0.6 Tonnen, weil er Erdöl ersetzt.

Zusammenarbeit hat Zukunft
Beat Zaugg, Geschäftsführer Emmentaler Wald & Holz GmbH, und Andreas Keel, Geschäftsführer Holzenergie Schweiz, zeigten konkrete Lösungsansätze auf, wie die Waldbesitzer mit der heutigen Situation umgehen können. Während Zaugg im Emmental auf die Koordination setzt und gemeinsam grosse Schläge effizient durchführt, berichtete Keel von Waldbesitzern, welche in eigene Wärmeverbünde investieren, Energieunternehmer werden und Kilowattstunden statt «Kubikmeter» verkaufen. Das Sturmholz stosse auf wenig Interesse, umgesetzt in erneuerbare Energie sei es aber sehr gefragt. Keel motivierte die Anwesenden, solche Projekte im aktuell herausfordernden Umfeld anzupacken und selber aktiv zu werden, statt auf bessere Holzpreise zu warten.

Kleine und grosse Wärmeverbünde
Die Idee eines Wärmeverbunds hat auch der Landwirt Hans Gfeller aus Utzigen umgesetzt. Als die alte Holzheizung in die Jahre kam und ersetzt werden musste, suchte er Interessierte für einen kleinen Wärmeverbund. Heute beheizt Gfeller mit seiner Schnitzelanlage fünf Eigenheime und seine eigenen Gebäude. Eine grössere Anlage plant die OLWO Worb gemeinsam mit der BKW AEK Contracting AG: sie wollen einerseits ihr Kundenholz mit eigener Energie trocknen, andererseits über einen Wärmeverbund Worb und Rüfenacht versorgen. Der Holzversorgungsgrad mit betriebseigener Rinde und Hackschnitzeln beträgt insgesamt ca. 95%. Die bisherige Rindenfeuerung wird durch ein artgleiches System, mit Rauchgasreinigung nach neusten Anfor-derungen, ersetzt. Betont wurden an der Tagung die Schlagworte Zusammenarbeit und Vermarktung. Organisationen wie BEO HOLZ und die Initiative Holz BE sind wichtig, um Holz als Energieträger und Baustoff bekannt zu machen. Auch Erich von Siebenthal, Nationalrat und Präsident von BEO HOLZ und der Initiative Holz BE, ermutigte die Anwesenden, weiterhin positiv über den Wald und über Holzenergie zu kommunizieren. Er lobte die Arbeit der Waldarbeiter und setzte das Ziel, beim Heizen von Erdöl wegzukommen. Durch die Tagung führte Hanspeter Abbühl, Leiter der organisierenden Arbeitsgruppe Holzenergie.

Auch das Wohn- und Pflegeheim heizt mit Holz
Die Besichtigung der Schnitzelanlage des Wohn- und Pflegeheims Utzigen zum Start der Tagung lieferte den Teilnehmern handfeste Inputs und zeigte, wie der einheimische Rohstoff aus regionalen Wäldern ausländisches Heizöl problemlos ersetzen kann.

Medienkontakt:
Anne-Sophie Klee, BEO HOLZ und Initiative Holz | BE
c/o Volkswirtschaft Berner Oberland,

anne-sophie.klee@volkswirtschaftbeo.ch


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«Der Wald ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel!»


«Nur ein gesunder, junger Wald kann wirklich CO2 aufnehmen und speichern.»


«Heute beheizt Gfeller mit seiner Schnitzelanlage fünf Eigenheime und seine eigenen Gebäude»